Erste Clubfliege des Jahres ist die Royal Coachman, hier in verschiedenen Interpretationen / Der Clubfisch des Jahres 2025 ist der Hecht
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Wichtige Argumente

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Moderator: zulu6

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Trutta1
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Wichtige Argumente

Beitrag von Trutta1 »

Liebe Fliegenfischer,
obwohl ich schon vielen angehenden Fliegenfischern durch Kurse den Einstieg ins Fliegenfischen erleichtern konnte, bin ich weit davon entfernt, mich als Wurfexperte darzustellen!
Viel wichtiger ist für mich das Gesamtpaket.
Die verschiedensten Fließgewässer der Salmonidenregion richtig "lesen" zu können ist ein wichtiger Baustein um erfolgreich zu fischen. Meiner Meinung nach fast genau so wichtig wie eine akurate Wurftechnik.
Die optimale Zusammenstellung des Geräts, sowie die richtige Köderwahl zum jeweiligen Zeitpunkt, vervollständigen meiner Meinung nach die Grundvorraussetzungen ein erfolgreicher Fliegenfischer zu werden.
Ich kenne einige Fliegenfischer, die zwar die Wurftechnik beherrschen, aber regelmäßig am Bach verzweifeln. Eine Steigerung dieser Verzweifelung trifft dann beim Meerforellenfischen auf völliges Unverständnis, wenn dann noch der in Wurfweite stehende Fliegenfischer fängt.
Ist es nur Glück, oder macht der erfolgreiche Fliegenfischer etwas anders?
Wer kennt diese Situation nicht?
Heute kann jeder die Videos erfolgreicher Fliegenfischer im Netz sehen. Es suggeriert dem Konsumenten aber ausschließlich die beständigen erfolgreichen Tage am Wasser.
Die erfolglosen Stunden sind uninteressant und auch von Niederlagen wird ungern berichtet.
Als ich vor vielen Jahren mit dem Fliegenfischen begann, gab es keine Kurse.
Selbst Bücher waren im ostdeutschen Raum nicht zu bekommen.
Alles musste selbst erarbeitet werden und wenn mir heute ein FF- Instuktor sagt, ich benötige keinen Wurfkurs, weiß ich nicht genau ob er meint, dass es eh keinen Zweck hat!😆
Dennoch würde mich interessieren, wie ihr das seht und was nach eurer Meinung die wichtigsten Grundlagen sind, um aus einem guten Fliegenfischer auch einen guten und erfolgreichen Fliegenfischer zu machen?!

Ach ja! Ich sitze gerade am kroatischen Strand und habe ausreichend Zeit, mir über solche Sachen Gedanken zu machen.
Ab nächste Woche wird vielleicht ein Bericht aus dem "Tal meiner Träume" folgen.
Auf jeden Fall habe ich dann weniger Zeit solche Fragen zu stellen!😅😉

TL, Frank
felix181
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Re: Wichtige Argumente

Beitrag von felix181 »

Ich würde mich als richtigen 08/15 Fliegenfischer bezeichnen - ich kann nicht herausragend werfen, aber für meine Zwecke genügt es (bzw. MUSS es genügen ;) ).
Ich denke auch, dass das Werfen oft deutlich überbewertet wird, da ich Fliegenart, Fliegenmuster, die Grösse, das Lesen des Gewässers und auch das Bewegen am Gewässer für wichtiger halte.
Insgesamt finde ich, dass zumindest bei mir (ich fürchte altersbedingt) der Fangerfolg immer weniger als Gradmesser für einen erfolgreichen Angeltag heranziehen lässt.
Am Ende ist die Frage des "Werfens" sicher auch eine Frage welches Gewässer man befischt - manchmal fische ich am Meer vom Ufer auf Wolfsbarsche und da würde ich mir dann schon wünschen deutlich weiter werfen zu können :lol:
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Trutta1
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Re: Wichtige Argumente

Beitrag von Trutta1 »

"Ich würde mich als richtigen 08/15 Fliegenfischer bezeichnen - ich kann nicht herausragend werfen, aber für meine Zwecke genügt es (bzw. MUSS es genügen ;) )."

Genau dies betrachte ich als sehr wichtig! Wenn man zufrieden ist, kann man auch entspannt fischen.
Für mich ist schon seit langer Zeit das Gesamterlebnis am Bach das wichtigste.
Allerdings musste auch ich mich dorthin "entwickeln". Das Alter lässt einen schon gelassener werden und ein Fangerfolg ist kein MUSS um einen schönen Tag am Wasser zu verbringen.

TL, Frank
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Willi
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Re: Wichtige Argumente

Beitrag von Willi »

Hallo Frank, ich sehe das sehr ähnlich wie du.
Auch ich versuche meinen Schülern nicht nur die Haltung der Rute und die Würfe bei zu bringen, sonder ihnen auch den Zugang zum Fisch zu erklären (soweit ich es kann :roll: ).
Dazu gehört auch die "Gewässerkunde" und die Lebensgewohnheiten der Fische. Daneben die (hoffentlich) richtige Köderwahl, abhängig von der Situation und natürlich die richtige Wahl des Setup's. Ja und nicht zuletzt auch das Verhalten beim suchen nach dem Fisch, dass bei Tenkara oft essenziell ist.

Vielleicht tue ich mir dabei mit der Materie "Tenkara" auch etwas leichter, aber was ich erkennen konnte ist, dass sich die Leute, welche zuerst Tenkara erlernen, sich leichter tun um auch das klassische Fliegenfischen auszuüben.

Gruß, Willi
TENKARA ist meine Philosophie!
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Trutta1
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Re: Wichtige Argumente

Beitrag von Trutta1 »

Etwas was mich zwar nicht zum erfolgreicheren Fliegenfischer macht, aber dennoch jedem bewusst sein sollte, ist der Umgang mit dem gefangenen Fisch!
Schon vorher sollte klar sein, was ich mit meinem Fang vorhabe. Bereichert er meinen Speisezettel, beende ich danach das Fischen! Generelles C&R lehne ich ab, da meiner Meinung nach unsere Passion so ihre Daseinsberechtigung verlieren wird.
Das kann man anders sehen, der "Grat" ist jedoch sehr schmal!
Sehr oft beobachte ich Fliegenfischer, die ihre Fische releasen. Viele fischen ohne Kescher und glauben fest daran den Fisch so schonender releasen zu können.
Forellen bis ca. 40cm stellen an der durchschnittlichen 4-5-er Rute kein Problem dar.
Bis hierhin alles ok!?
Was ist aber, wenn mal wirklich ein großer Fisch einsteigt?
Ich fische nie ohne Kescher, sei denn ich habe ihn im Auto vergessen!
Genau dies ist mir vor gar nicht langem passiert. An einer 4-er Rute stieg eine richtige "Maschine" ein und verlangte mir wirklich alles ab. Der Griff auf den Rücken zum Kescher ging ins Leere und so musste ich die knapp 70-er Bachforelle bis zur Erschöpfung ausdrillen.
Die große Bachforelle war so erschöpft, dass ich sie noch einige Zeit halten musste. Selbst danach schwamm sie nicht weg, sondern ich konnte sie noch in Ruhe fotografieren.
Bachforelle ca. 65cm Großarler Ache.jpg
Mit einem Kescher hätte ich den Drill um mindestens die Hälfte verkürzen können.
Ein gummierter Kescher verletzt keinen Fisch und wenn der Kescher ausreichend dimensioniert ist, kann sich der Fisch dort sehr gut erholen.
Widerhakenloses Fischen sollte wohl jeder waidgerechter Fischer praktizieren!
Fotos von lebenden Fischen außerhalb ihres Elements lehne ich ab!
Sei denn der Fischerfreund ist dabei und kann ein schnelles Foto schießen.
Wenn dies vernünftig gehandhabt wird, ist dies ok.
Wer dies strikt ablehnt und es anders handhabt, ist auch ok.
Wer schon mal Salmoniden abgestriffen hat, weiß das sie nicht so fragil sind, wie viele meinen.
Dennoch ist ein schonender Umgang beim releasen absolut wichtig!
Dies sind mehrere Sachen die kontrovers diskutiert werden können.
Vor allem für die sinnvolle Nutzung eines gummierten Keschers, wodurch ich den Drill verkürze, interessiert mich eure Meinung sehr!

TL, Frank
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Re: Wichtige Argumente

Beitrag von tschiste »

Hallo Frank

Erstmal, genieße den kroatischen Strand ;)
Zum Startthema, ich halte mich auch nach über 40 Jahren fliegenfischen für den 0815 Werfer und bin sehr zufrieden mit meiner Performance..
Wieso, weil ich doch aus Erfahrung zu wissen glaube, das nicht alle Fische am gegenüberliegenden Ufer oder 30m flussauf/abwärts stehen.
Nein vor unseren Füßen ist auch einiges los und wenn man sich dementsprechend bewegt, reicht ein 10-15m Radius.
Was für mich am wichtigsten ist, Struktur, Strömungen, Futterspuren und was für Futter wuselt durch dieses Gewässer.
Das alles zu erkennen und richtig zu interpretieren sind schon 3/4 des Erfolgs und der Freude am Wasser.
Tja und das mit den wunderbaren Fangvideos im Web suggeriert leider den falschen Zugang, zumal es sicher zusammengestoppelt aus X Fischgängen ist.
Es gibt auch sehr schöne Videos wo meine angesprochenen Punkte gezeigt werden, z.b. Oliver Edwards, die haben aber für einen gGoßteil des Publikums zu wenig Action.

Zum Thema Kescher; Niemals ohne!
Und vor allem auch den passenden, wenn die zu erwartenden Fische recht groß sind macht man mit dem klassischen "Fliegenfischerteesieb" den Fischen nur noch mehr Stress und die Mortalität steigt auch. Da muss man sich halt leider mehrere anschaffen.

lg
Christian
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Re: Wichtige Argumente

Beitrag von Trutta1 »

Hallo Christian,
danke für deine Sichtweise, die sich mit meiner deckt!
Ja der kroatische Strand hat schon was.😊
Aber die innere Unruhe steigt von Tag zu Tag.😉

TL, Frank
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Re: Wichtige Argumente

Beitrag von zulu6 »

Grüß dich Frank und alle,

danke für das spannende Thema, das ja doch eine große Bandbreite bietet.
Da könnt ich glaub ich erschöpfend Text spamen :lol: 8-)
...und falls das folgende einem zuviel werden sollte, einfach ignorieren - nur meine 5ct

Es wurde ja schon der 08/15 Fliegenfischer in's Rennen gebracht und dort würde ich mich auch sehen.
Mein Zugang war vor langer Zeit über einen damals noch vorhandenen Fischerladen, bei dem schon das erste Taschengeld in
Angelsachen umgesetzt wurde.
Der hat dann auch nach Ladenschluss in der benachbarten Wiese eine kleines Wurftraining mit den wichtigsten Grundlagen und
sogar ein Gang mit ans Fischwasser für den Ersten Wurf am Wasser auf seine (!) Lizenz geboten.
Ja und dann vergingen mangels Fliegenwässer im Revierportfolio viele Jahre des hin und wieder fliegenfischens bzw. eigentlich nur versuchen einen Wurf hinzubekommen.
Nach vielen Jahren der Warteliste auf einen begehrten Revierplatz war es so weit und von da an könnte man dann vom Fliegenfischen reden.
Wobei Erfolg im Wesentlichen einen vernünftig hinbekommenen Wurf bedeutete - da war noch lange kein Fisch am Band.
Auch dies gelang schlussendlich mit konsequenter Arbeit an sich selbst und mit einem offenen Ohr was erfahrene Fliegenfischer einem raten.
Mit der ganzen Youtubeszene - ich schau ein Tutorial und bin dann Experte für alles - kann ich nix anfangen,
muss aber schon auch sagen, dass ich mir
a) selbstverständlich auch welche ansehe und
b) natürlich dort auch was mitgenommen werden kann.
Aber es wird nicht das eigenen Tun, eigene Gedanken, Arbeit an sich selbst ersetzen.

Das Werfen ist besser geworden und es funktioniert, gelegentlich einen Fisch ans Band zu bekommen.
Mit dem Fliegenbinden genauso und da werden im Großen und Ganzen aus Freude an der Sache auch nur mehr Selbstgebundene gefischt.

Was ist nun Erfolg?
Das Rezept muss glaub ich jeder selber finden und meiner Erfahrung nach ändert es sich auch in der persönlichen Entwicklung als Fischer und Fliegenfischer.
Klingt wie eine Standardantwort - aber ist mMn so.
Manche können Halbmeterfische und mehr am laufenden Band präsentieren usw.
In meinem Wasser sind derartige Trophysalmoniden als fangbares Wild nicht vorhanden und
ganz ehrlich hab ich eh genug Arbeit mit einer kämpferischen Ü40er.
Barben gibts bis in den 70er-Bereich und liefern spektakuläre Erlebnisse.
Alles gute Gründe, innezuhalten und den Moment wirken zu lassen.
Und trotz aller Fänge ist und bleibt ein gelungener Wurf ein Erfolg.

Dann natürlich das Anbieten selbst, das ist mMn DER Erfolgsfaktor.
Wenn man so darüber nachdenkt, wird man es darauf reduzieren können.
Richtig anbieten bringt Fisch ans Band. D.h. man hat den Fisch ausgetrickst. Das ist schon ein Moment, den ich als Erfolg sehe.

Trutta1 hat geschrieben: 29. Juli 2026, 17:28 Wenn man zufrieden ist, kann man auch entspannt fischen.
Für mich ist schon seit langer Zeit das Gesamterlebnis am Bach das wichtigste.
Ja genau!
Und sich nicht von den "Erfolgen" anderer treiben lassen.
Den eigenen Weg gehen.

Trutta1 hat geschrieben: 30. Juli 2026, 10:44 Ich fische nie ohne Kescher, sei denn ich habe ihn im Auto vergessen!
Detto!
Entspannt ist für mich vorbei, wenn ich keinen hab.
Und gerade bei der Hitze jetzt und den hohen Wassertemperaturen steigt die Mortalität von "bis aufs Letzte" ausgedrillten Fischen enorm.
Lässt sich belegen, vertrete aber hauptsächlich die eigene Meinung.
Dies bitte daher nicht als Belehrung ansehen!

Schonender Umgang -natürlich, alleine schon aus Respekt vor der Kreatur!
Dazu muss aber auch gesagt werden, dass sogar das Übung erfordert. Wem das Fischen noch neu ist,
dem seien ein paar Versuche zugestanden - wichtig, dass man sich ehrlich Mühe gibt.
...und auch alten Hasen kann man was danebenlaufen.


So derweil lass ich's mal so stehen - mir läuft gerade die Zeit davon :lol:
Trutta1 hat geschrieben: 29. Juli 2026, 15:22 Ach ja! Ich sitze gerade am kroatischen Strand und habe ausreichend Zeit, mir über solche Sachen Gedanken zu machen.
Dann noch gute Erholung und viel Spaß auf der Suche nach dem Sinn des Lebens/Fischens 8-)


Beste Grüße
Jürgen
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Fischen und fischen lassen
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